Wie ich blind durch die Welt zog

Posted by on Okt 29, 2017 in Allgemein | No Comments
Wie ich blind durch die Welt zog

DIE UMGEBUNG WAHRNEHMEN

Wie ich vier Jahre später, die schönen Seiten entdeckte

Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Das ist der erste Satz, den man im Kommunikationsdesign Studium eingetrichtert bekommt. Die Aufmerksamkeit auf die kleinen Dinge des Alltags lenken. Sich dafür sensibilisieren. Ich habe vier Jahre gebraucht, um zu verstehen, wie viel mir mein Umfeld geben kann. Und was es bedeutet, mit offenen Augen durch die Welt zu ziehen. Ein paar ehrliche Gedanken darüber, wie ich mit verschlossenen Augen, die letzten Jahre durch den Tag zog.

Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Sensibilisier dich für deine Umgebung. Angestrengt suchte ich nach „etwas spannendem“… Und fand zu dieser Zeit nichts. Es hat mich ganze vier Jahre gekostet, bis ich mich von meiner krampfhaften Suche nach etwas spannendem lösen konnte, um meine Augen und meine Seele für meine Umgebung zu öffnen.

Während ich nach „etwas spannendem“ ausschau hielt, schienen mir ferne Orte viel bedeutender zu sein, als jener Ort in dem Ich lebte. So lief ich zwar mit offenen Augen durch die Straßen, jedoch mit einem Mangel an Offenheit für meine Umgebung. Nichts zu finden, machte mich fertig und ich strebte immer mehr danach, Neues zu entdecken. Ich war so verkrampft, dass mich der Ort an dem ich lebte, wirklich unglücklich machte.

Nein, das Bild hier zeigt keineswegs Schottland. Es handelt sich hier um das schöne bergische Land. Keine 40 Minuten Autofahrt von Düsseldorf entfernt, keine 20 Minuten von Wuppertal Elberfeld. Beyenburg. Jener Ort, der einst für zwei Jahre meine zweite Heimat war.

Wie läppisch das doch klingen muss und ja, vielleicht sogar ein wenig traurig. Obwohl ich zwei Jahre in Beyenburg gelebt habe, wurde mir erst heute klar, dass ich noch nie während des Sonnenunterganges am Stausee spazieren war. Wieso eigentlich nicht?
Ich fuhr ins Sauerland oder in die Eifel, wenn ich es einwenig bergischer haben wollte. Überall fand ich die wunderbare Farbpalette Mutter Naturs wieder. Nur nie an dem Ort, in dem ich lebte.

Die letzten Jahre über, verschloss ich mich so sehr für mein Umfeld, dass ich blind durch die Gegend lief. Ich konnte die Eindrücke, die mein Freund in den Wäldern um uns herum wahrnahm, nicht teilen. Und wollte immer weiter weg. An meinen Hausaufgaben zum Thema Wuppertal verzweifelte ich zu jener Zeit. Dabei gab es, im Nachhinein betrachtet, so viele wunderbare Dinge zu entdecken und zu erleben.

Wie offen bist du für die Umgebung, in der du lebst?

Kennst du den Ort an dem du lebst? Ich meine so richtig?

Ich weiß nicht, wie ich dazu kam, mich für meine Umgebung zu interessieren. Irgendwann kam ich an dem Punkt, an dem ich mich überwand und mir die Zeit nahm, mein Umfeld zu entdecken. An einem Ort zu leben ist ein Unterschied zu einen Ort zu leben.

Während ich also heute durch die Straßen Beyenburgs lief, überkam mich der Gedanke an die letzten Jahre, die ich hier mit meinem Freund verbracht hatte. Ich erinnerte mich daran, wie wir das letzte Mal einen richtigen Spaziergang durch Beyenburg unternommen hatten. Das war in dem Jahr an dem wir zusammen kamen. Seit dem sind über 7 Jahre vergangen. Ich dachte an die milden Sommer- und an die verschneiten Wintertage. Und an die schönen Sonnenuntergänge, die wir vom Garten aus beobachteten.

Ich habe mich, scheinbar im Laufe des Jahres auf eine mir unerklärliche Weise, davon befreit, mich für meinen derzeitigen Wohnort zu verschließen. Dieses Unwohlsein und das Gefühl der Fremdheit abgelegt. Vielleicht bin ich jetzt auch wirklich angekommen, ich weiß es nicht. Wer weiß das schon?

Anders als früher, fällt es mir heute zumindest nicht mehr so schwer, ein interessantes Thema in meiner Umgebung zu finden. Vielleicht brauchte ich einwenig Distanz. Distanz zu allem, um mich wieder Öffnen zu können.

Beyenburg ist wunderschön und gar nicht so weit weg von unserem derzeitigen Wohnort. Es ist unglaublich, wie viele atemberaubende Sonnenuntergänge ich in den letzten Jahren verpasst habe. Dies ist aber kein Grund, niemanden dazu zu animieren, seine Umwelt wahrzunehmen.

Geht hinaus, schaut euch euer Umfeld an und entdeckt euren Lebensraum. Vor allem auch dann, wenn ihr vielleicht das Gefühl habt, nicht angekommen zu sein. Ihr werdet auf viele interessante Menschen, Situationen und Geschichten stoßen. Ich kann es euch nur ans Herz legen.

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