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Was mich zu einem Road-Trip-Girl machte

Es gibt so viele Wege und Möglichkeiten zu reisen. Im Verlauf eines Lebens entscheidet jeder für sich selbst, was für ein Reisetyp er ist. Wer ist eher der Pauschalurlauber, wer der Wanderer, der Zugmensch oder Roadtripper. Ich für meinen Fall habe das Road tripping bereits in die Wiege gelegt bekommen. Ein paar Dinge, die ich euch über mich erzählen möchte.

Meine Familie ist schon immer gerne mit dem Wagen verreist und ich denke, dass mich dieses Reiseerlebnis auch im nach hinein ziemlich geprägt hat. Bis ich fünfzehn war, verstand ich die Spontanität meiner Eltern nicht und ärgerte mich manchmal auch darüber, dass ich Freunden absagen musste, um zu verreisen. Doch sobald ich von zu Hause weg war, war ich froh, irgendwo zu sein. Bis dahin hatte ich allerdings den Drang ausbrechen zu wollen, als auch das Gefühl der Rastlosigkeit, welche meinen Eltern scheinbar als Antrieb für solche Aktionen dienten, nicht verstanden.

Ich wurde achtzehn und schenkte mir zum Geburtstag ein One-way Ticket. Irgendwie musste es mich gepackt haben: Dieser Drang raus zu wollen. In der Zeit lernte ich auch immer mehr Menschen kennen, die kurz vor ihrer Auswanderung oder ihrer Weltreise standen. Das Fernweh packte mich wie ein Fieber.

Meine erste Reise alleine unternahm ich dann mit achtzehn. Natürlich bin ich vorher auch schon das ein oder andere Mal alleine gereist, da ich zu der Zeit eine Fernbeziehung führte. Das hier sollte jedoch etwas vollkommen anderes werden. Mit fast 600 Euro in der Tasche und einem Zugticket nach Berlin, begab ich mich auf die Reise. Ich wusste nicht, wann ich zurückkehren würde. Ich fuhr einfach nach Berlin und wollte schauen, wohin mich diese Erfahrung treiben würde. Nachdem ich ein paar Tage in Berlin verbracht hatte, zog es mich wieder fort. Also fuhr ich mit einer Mitfahrgelegenheit nach Thüringen. Von dort aus ging es nach Leipzig und so weiter. Auch wenn mein Reiseziel weniger exotisch war, als das vieler anderer Menschen, so meine ich doch sagen zu dürfen, dass mich diese Erfahrung viel gelehrt hatte. Ich lernte Menschen kennen, lief und fuhr alleine durch die Strassen, entdecke Berlin und all die anderen Orte für mich, auf meine eigene Weise. Ich lernte auszuwählen, was mir gut tat und was nicht.

Später dann, als ich mit Anfang zwanzig endlich meinen Führerschein erwarb, wusste ich, dass ich ab da mit meinem Wagen Reisen würde. Anders als auf Zugfahrten, war ich nun unabhängig. Ich konnte meinen Aufenthaltsort und die Aufenthaltszeit frei wählen und liebte diese neue Freiheit, die ich für mich erlangt hatte. Ich stieg immer dort aus, wo es mir grade passte, blieb bis ich keine Lust mehr hatte und zog dann weiter. Dass man auf der Fahrt interessanten Ereignissen in die Arme lief, lehrten mich meine Eltern durch unsere Reisen. Ständig hielten wir mal hier, mal dort an. Lernten interessante Menschen kennen, fanden uns an Spots wieder, die abseits der Hauptstrassen lagen.

Diese Freiheit, entscheiden zu können, zu welcher Zeit ich mich an welchem Ort, für wie lange aufhalten möchte ist einer der Gründe, für die ich Roadtrips einfach lieben und schätzen gelernt habe.

Natürlich versuchte ich es in den Jahren mit unterschiedlichen Reisemöglichkeiten:
Städtetrips, Roadtrips, Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, Mitfahrzentralen, Pauschalurlaube… Und fand am Ende für mich das Roadtripping. Egal wo ich bin, nach kurzer Zeit zieht es mich wieder zurück in den Wagen,- auf die Straße zu einer neuen Erfahrung.

Wer mich kennt, weiß, dass ich spontan bin. Ich werde die größte Veränderung meines Lebens kurz vorher oder ein paar Minuten zuvor treffen. Auch dieser Charakterzug wurde mir in die Wiege gelegt: An freien Tagen setzten unsere Eltern uns spontan in den Wagen und fuhren mit uns weg. Oft fuhren wir einfach ohne Ziel los, immer der Nase nach. Unsere Wege führten uns über wunderschöne Landstraßen und Bergpfade hinweg, durch Städte hindurch bis hin zu abgelegenen Dörfern. Irgendwann kristallisierte sich während der Fahrt ein Ziel heraus.

Meine letzten Reisen, u.a nach Schottland, buchte ich ebenfalls ziemlich spontan. Es sollte ursprünglich wo anders hingehen (wie fast immer). In Schottland angekommen, verbrachten wir eine Nacht in Glasgow. Danach ging es weiter. Immer der Nase nach. Wir wussten nicht genau wohin und dieses sich treiben lassen führte uns an alle möglichen schönen Plätze. Zwar hatte ich einen Tag vor Abflug eine Route geplant (Orientierungshilfe) verwarf diese jedoch auf unserer Fahrt.

Roadtrips wurden zu meinem Leben. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen, anders zu verreisen. Sie geben mir das Gefühl von Freiheit, Flexibilität und Raum. Ich kann kommen und gehen wann ich will, ich kann hinfahren wohin ich will und ich kann entscheiden wann ich all dies machen möchte. Es bringt mich weiter. Um auf den Rat meiner Freundin Ani zu antworten: I’ll carry on.

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